31.10.2011 Bremerhavens Umweltdezernentin bezieht Stellung
Ihre Überzeugung ist nicht zu übersehen: Atomkraft? Nein danke! Mit dem gelben Aufkleber auf dem Fahrrad ist Anke Krein tagtäglich in Bremerhaven unterwegs. Neuerdings führt sie ihr Weg ins dortige Umweltschutzamt: Die engagierte Grünen-Politikerin ist seit Juli Umweltdezernentin im Stadtrat.
So beherzt, wie sie sich für den Atomausstieg einsetzt, kümmert sich die 54-Jährige nun als ehrenamtliche Stadträtin um den Klimaschutz in Bremerhaven.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit? „Ganz klar das Programm Klimastadt Bremerhaven“, sagt Anke Krein, ohne lange zu überlegen. Unter diesem Titel vereint sich ein Bündel an Maßnahmen und Aktivitäten – von der Verbesserung der Fahrradwege und Maßnahmen zu mehr Energieeffizienz – wie im Masterplan aktive Klimapolitik für Bremerhaven vorgesehen ist –, bis hin zum Hochwasserschutz, sowie einem Wirtschafts- und Forschungsverbund zum Nutzen von Bremerhavens Strukturwandel wie ihn die Konzeptstudie ‚Klimastadt Bremerhaven’ vorzeichnet. Nun gehe es darum, den Lauf der Dinge steuernd in die Hand zu nehmen, die verschiedenen Klimaschutzprozesse in Bremerhaven und dem Land Bremen aufeinander abzustimmen, um sie in einem Programm Klimastadt zusammenzuführen.
„In den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Wissenstransfer sind wir mit der Hochschule, dem Alfred Wegener Institut, dem Klimahaus, der Windenergiebranche und vielen weiteren Unternehmen und Institutionen sehr gut aufgestellt. Hier kann man bereits die Entstehung eines Kompetenzzentrums in Bremerhaven erkennen, von dem viel Innovationskraft ausgeht“, erklärt sie weiter. Was die genannten leisteten, sei eine wichtige Reaktion auf den nunmehr unbestrittenen Klimawandel. Doch es gebe noch mehr anzuschieben: „Zum Beispiel die Einbindung der Bürger in die Entwicklung und Umsetzung eines Programms Klimastadt“, betont die Grünen-Politikerin. „Jeder – ob Privatperson oder Unternehmer – kann etwas zum Klimaschutz beitragen und zieht in letzter Konsequenz auch den Nutzen daraus. Das müssen wir mit politischen Beschlüssen untermauern und fördern.“
Gerade für die mittelständischen Bremerhavener Unternehmen setze die ’initiative umwelt unternehmen’ des Landes Bremen wichtige Impulse mit einem breiten Unterstützungsangebot im gewerblichen Klimaschutz. Konkret gingen solche Impulse von Programmen wie der ’partnerschaft umwelt unternehmen’ aus, vom Klimafonds im Land Bremen oder von Förderprogrammen wie REN (Rationelle Energienutzung). Ein erster Schritt auf die Bürger zu: Gemeinsam mit der Gesundheitsdezernentin der Stadt, Brigitte Lückert, bietet Anke Krein seit Oktober jeden ersten Sonnabend im Monat eine Sprechstunde an, um zu hören, was den Menschen am Herzen liegt, aber auch um im Bereich Energieeffizienz zu beraten und Kontakte zu vermitteln. Ebenfalls geplant ist es, den Beteiligungsprozess mit den Stadtteilkonferenzen zu verbessern. „Um Klimastadt zu werden, müssen wir die ganze Stadt ins Boot holen.
Das verlangt allen Ausdauer ab. Die Gefahr, bei Renommierprojekten stehen zu bleiben und in betriebswirtschaftlichem Denken zu verharren, besteht dabei immer. Wir brauchen daher eine Veränderung in der Stadtgesellschaft hin zu einem anderen Selbstverständnis mit einem klimapolitischen Ethos. Das ist ein auf Generationen angelegter Prozess, den wir schleunigst einleiten müssen“, betont die Bremerhavenerin. Aktuell realisiert sie daher die Idee eines Jugendklimarats. „Jugendliche haben heute schon ab 16 Jahren ein kommunales Wahlrecht. Es sind diese Jugendlichen, die zuallererst die ganze Wucht klimapolitischer Nachlässigkeiten durchleben dürften. Genug Veranlassung und hohe Zeit, um das Bewusstsein für Klimaschutz bei der jüngeren Generation noch fester zu verankern, ihre Meinungsbildung zu fördern und ihre Wahrnehmung für die vor der eigenen Haustür eintretenden Folgen des Klimawandels zu schärfen. Dazu muss den Jugendlichen auch endlich mehr Mitsprache an den lokalen Entscheidungsprozessen eingeräumt werden“, so Krein.
Darüber hinaus soll das Projekt ¾-Plus, das an Schulen und in Kindergärten des Landes Bremen bereits erfolgreich für Ressourcenschonung und Energieeinsparung sorgt, auf weitere Einrichtungen übertragen werden. Etwa auf die Verwaltung: „Ziel ist, den öffentlichen Haushalt zu entlasten. Zudem fließen über das Projekt ¾-Plus etwa 40 Prozent der eingesparten Mittel an die Einrichtung zurück und stehen damit den Lehrern, Erziehern und Schülern zur freien Verfügung. Ein vergleichbares Anreizsystem kann auch in Behörden und Ämtern funktionieren“, ist die Umweltdezernentin überzeugt. Weitere Anregungen und einen fruchtbaren Austausch erwartet sie von der Klimakonferenz 2011 zur Umsetzung des Klimaschutz- und Energieprogramms (KEP) 2020, die am Donnerstag, dem 17. November 2011 in Bremerhaven stattfindet. Im Zeichen der Energiewende wird die kommunale Energieerzeugung das Oberthema der Veranstaltung sein. Hier spricht Anke Krein die Begrüßungsworte: „In meinem Urlaub habe ich mir schon einiges überlegt – was genau wird man